Folge 2: Typen, die man in PR-Agenturen immer wieder trifft: Senior Matze

Einen echten Agentursenior erkennt man an drei Dingen: Er hat ein Einzelbüro. Er hat Personalverantwortung. Er hat ein Alkoholproblem. Unser Senior-Berater ist Ende 30, heißt Matthias, aber alle nennen ihn Matze.

An normalen Tagen trägt Matze Rollkragenpullover, darüber einen Sakko, Markenjeans und Wildlederschuhe. Die Ringe unter seinen Augen sind zur Dauereinrichtung geworden. Er ist seit bald sieben Jahren in dieser Agentur und seit dem Umzug sitzt er auch endlich im Einzelbüro. Dort kann er in Ruhe arbeiten, das war vorher nur nach 19 Uhr möglich.

Nun stört ihn der Lärm des Großraumbüros zwar nicht mehr, aber dummerweise muss er seit seinem Seniorstatus mindestens drei Mal täglich in ein Meeting. Mit Kunden, mit Dienstleistern, mit Job-Bewerbern, mit seinem Team und mit der Geschäftsführung.

Die Meetings mit der Geschäftsführung sind am Schlimmsten. Denn dort werden in jedem Meeting mehr und mehr neue Aufgaben auf ihn abgewälzt. „Du bist jetzt Senior und kein Erfüllungsgehilfe“ heißt es, wann immer er andeutet, dass es ihm zu viel werden könnte. Und jeder erfüllte Wunsch gebiert gleich wieder Junge. Wenn er gut performt, so sein Gefühl, wird um so mehr von ihm verlangt. Bei jeder Rechnung, die er für sein Team an die Kunden schreibt muss er sich nun fragen lassen, warum er das so billig gemacht hat? Er beginnt sich zu fragen, was die Geschäftsführer eigentlich machen. Außer ihn zu quälen.

Früher dachte er, dass die Bosse sich zwar aus dem operativen Geschäft raushalten, dass sie aber Kontakte für die Agentur in alle Richtungen ausweiten. Das Netzwerk pflegen, strategisch denken, den Aufbau und die Abläufe in der Agentur verbessern, neue Kunden gewinnen undsoweiter undsofort. Nun dämmert ihm, dass sie die vielen Termine außerhalb der Agentur vor allem private Spaßveranstaltungen sind.

Oft sind es Verabredungen zum Brunch mit anderen Agenturchefs, bei denen es darum geht, wer sich zuletzt ein neues Auto gekauft hat, oder wer mehr Nutella-Croissants verputzen kann. Insgeheim nennt Matze seine Chefs nur Frühstücksminister. Allerdings: Wann immer es um konkrete Entscheidungen geht, geht nichts ohne die Chefs.

Wie es mit Matze weitergeht, liest Du in meinem Buch Public Frustration. Über Leben in der PR:

https://www.amazon.de/Public-Frustration-%C3%9Cber-Leben-PR-ebook/dp/B01MXQY9KF/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1480842093&sr=8-1&keywords=public+frustration

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