Das 40.000 Euro Problem der PR-Branche

Mein Freund M. hat sich kürzlich bei einer Berliner PR-und Social-Media-Agentur als Senior-Berater beworben. Als Gehalt hat man ihm weniger als 40.000 Euro im Jahr angeboten, und auch das nur nach zähen Verhandlungen.

Die Agentur ist zwar neu am Markt, aber nicht mehr klein. Man sitzt in Mitte und hat einige renommierte Kunden und sicherlich vorzeigbare Etats.

Wie kommt es, dass die Gehälter in der PR-Branche trotzdem oft so erschreckend niedrig sind? Wahrscheinlich, weil die Kunden für Geisteswissenschaftler nur niedrige Tagessätze locker machen. Und vermutlich sind die meisten PR-Chefs auch noch ungeschickte Verhandler. Man ist für jeden Auftrag dankbar, und verkauft sich lieber zu billig, als jemanden zu verprellen.

Für die Qualität der Arbeit in diesen Niedrig-Lohn-Agenturen bedeuten das nichts Gutes. Denn was kann man von einem Senior erwarten, der sich mit einem Junior-Gehalt zufrieden geben muss?

Ein anderes Beispiel: Vor einigen Jahren arbeitete ich in einer Agentur, in der wir eine studentische Aushilfe beschäftigten. Ein BWL’ler, was ja eher untypisch für die PR ist. Der Student hat einen guten Job gemacht und war super in die Agentur eingearbeitet. Als sein Studium zu Ende ging fragten wir ihn, ob er Interesse an einem Volontariat bei uns hätte. Wir hätten ihn gern behalten.

Er aber lehnte freundlich ab. Und hat dann stattdessen einen „BWL’er-Job“ gemacht, bei einem Personladienstleister. Dort lag sein Einstiegsgehalt bei 40.000 Euro.

Mit anderen Worten: Die PR-Branche hat ein Geld-Problem.

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2 Kommentare zu „Das 40.000 Euro Problem der PR-Branche

  1. Hey, vielen Dank für deinen Beitrag. Grundsätzlich stimme ich vollkommen mit dir überein was das Gehalt in Agenturen angeht! Trotzdem glaube ich nicht, dass ALLE Agenturen, die ihren Mitarbeitern nicht viel zahlen können, auch qualitativ schlechte Arbeit machen. Ich glaube, es gibt da auch immer Ausnahmen. Liebe Grüße, Verena

  2. Hi Verena, danke für Deinen Kommentar.
    Klar, es gibt auch ’ne Menge gute Agenturen! Die machen gute Arbeit und behandeln die Angestellten fair.
    Aber gibt es auch viel zu viele, die ihre Mitarbeiter ausbeuten und die schaden der ganzen Branche. Weil die guten Leute um die PR nämlich einen Bogen machen.
    Es gibt einen guten Artikel von Katy Walther aus dem Medium Magazin „PR Agenturen als Ausbeuter“:
    http://www.wirtschaftsjournalist-online.de/wp-content/uploads/wj201303_pragenturen.pdf

    Und das Buch „pr-geil!“ von Jana Kaminski hält auch einige ernüchternde Berichte bereit.
    http://www.amazon.de/PR-GEIL-Eine-Bestandsaufnahme-Karrierewege-Berufsfeld/dp/1482523396

    Du und ich sind sicher mit Leidenschaft in der PR 😉
    Aber ich bin sowas von genervt, wenn mir Rookies erzählen, wie sie in anderen Agenturen durch die Mangel gedreht werden!

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