Typische Typen der Public-Frustration-Branche, Teil 5: Frank Kaufmann, Inhaber und Gründer einer PR-Agentur.

Der dritte Golfkrieg fand von März bis Mai 2003 statt. George W. Bush war damals US-Präsident. Die Amerikaner und ihre „Koalition der Willigen“ besiegten die Iraker klar und eindeutig. Die Alliierten hatten zwar weniger Truppen als die Iraker, waren aber aufgrund ihrer High-Tech-Waffen militärisch weit überlegen.

Konnte man angesichts dieser Überlegenheit je am Sieg der Amerikaner zweifeln? Das konnte man in der Tat: Jedenfalls wenn man Muhammad as-Sahhaf hieß und damals „Informationsminister“ Saddam Husseins war..

Muhammad as-Sahhaf trat während des Kriegs regelmäßig vor die Kameras und Mikrofone der internationalen Medien und fabulierte vom bevorstehenden Sieg der irakischen Truppen. Zu den überlieferten, etwas schrägen Zitaten, gehört: „We have destroyed 2 tanks, fighter planes, 2 helicopters and their shovels – We have driven them back.“

Oder: „They’re coming to surrender or be burned in their tanks.“

Und: “There are no American infidels in Baghdad. Never!“ Als er letzteres auf einer Pressekonferenz sagte, hörte man im Hintergrund bereits das feindliche Feuer.

As-Sahhafs Äußerungen waren von solch unfreiwilliger Komik, dass er schnell den Spitznamen „Comical Ali“ weg hatte. Auf Youtube kann man sich heute noch eine Reihe Best-Ofs von Comical Ali ansehen und natürlich gibt es auch eine Reihe von Parodien.

Muhammad as-Sahhaf beschönigte die Wirklichkeit nicht, er verzerrte sie auch nicht. Er erfand sie einfach von Grund auf neu. Dass die Journalisten ihm kein Wort glaubten, war ihm egal. Muhammad as-Sahhaf wusste, was sein Chef hören wollte. Es waren nicht die Reporter oder die Fernsehzuschauer, die sein Gehalt zahlten oder darüber entschieden, ob er befördert oder geköpft würde. Also zog Comical Ali die Show ab, die Saddam bestellt hatte.

Man sollte diese Leistung nicht gering schätzen. Offenkundige Fakten so konsequent zu ignorieren ist ein Knochenjob, für den es eine besondere Begabung braucht: Muhammad as-Sahhaf konnte so überzeugend vom bevorstehenden irakischen Sieg erzählen, weil ihm die wohl wichtigste Fähigkeit für Führungskräfte in der PR in Vollendung zu eigen ist: Die Autosuggestion. Mit Autosuggestion gelingt es, in der eigenen Position die einzige und unumstößliche Wahrheit zu sehen. Es gibt keine Zwischentöne mehr. Nur noch Schwarz und Weiß. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.

Ganz ohne Frage: Mit dieser Fähigkeit wäre as-Sahhaf auch ein toller Geschäftsführer in einer Public-Frustration-Agentur geworden.

Wie as-Sahhaf sich als Agenturchef gemacht hätte, kann man an Frank Baumann sehen. Der ist seit bald zehn Jahren Chef seiner eigenen Agentur. Und wie as-Sahhaf ist auch er Meister der Autosuggestion. Auf Frank Kaufmann hat die Autosuggestion eine Wirkung wie Kokain. Er hält sich für den Größten und Witzigsten. Zweifel kennt er nicht. Der Output der eigenen Agentur, egal wie mittelmäßig, steht unter ständigem Award-Verdacht. „Mann, ist das kreativ. Mann, ist das witzig. Mann, sieht das gut aus!“ hämmert es Frank ständig durch den Kopf. Er trägt dabei ein breites Grinsen im Gesicht.

 

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