Klatsch und Tratsch: So geht es der Mutter aller Public Frustration Agenturen heute

Die PR Branche mag sich selbst für riesengroß halten. In Wahrheit ist die PR-Welt aber klein und überschaubar.

Was schön ist, weil man sich kennt und sich immer wieder trifft.

Ich habe vor ca. zehn Jahren in einer Agentur gearbeitet, die für mich bis heute die Mutter aller Public-Frustration-Agenturen ist: Eine Agentur von  damals 15 Leuten, bequem in der City gelegen. Hätte nett sein können, wäre da nicht der Chef gewesen, der geregeltes Arbeiten unmöglich machte. Bemerkenswert war aber der sehr gute Teamspirit unter den Angestellten. Wir sind oft nach Feierabend noch in der Agentur geblieben, haben im Konfi Bier getrunken und die Grimassen des Chefs imitiert.

Wann immer ich nach meinem Ausscheiden aus der Agentur ehemalige Kollegen wieder traf oder Leute, die auch in dieser Agentur arbeiteten, hatten wir sofort eine Connection. Die bestand meistens im Ablästern über den Ex-Chef. Kaum etwas verbindet so stark wie ein gemeinsamer Feind.

Was wir uns immer wieder fragten: Wie macht der Typ das bloß?

Zwar hielt es kaum ein Mitarbeiter länger als ein Jahr bei ihm aus, die Fluktuation war hoch. Die Kunden blieben etwas länger, aber auch nicht ewig. Man hatte eigentlich immer das Gefühl, dass diese Agentur bald weg sein muss vom Fenster. Und doch hörte man immer wieder, dass der Chef zwar Kunden XY verloren hatte und auch wieder drei Berater weg waren. Aber dafür hatte er einen neuen, gar nicht so schlechten Kunden akquiriert. Und den Job der drei Berater machte jetzt eben der Volontär.

Der Typ war ein wenig wie Trump: Völlig unmöglich in den Augen eines halbwegs normal zivilisierten Menschen, aber gleichzeitig erfolgreicher als all die Zwerge, die sich über ihn lustig machten.

Nun aber scheint es zu Ende zu gehen mit meinem Ex-Chef und seiner kleinen Agentur in schöner Citylage. Jedenfalls hörte ich von einer Ex-Kollegin, dass er mittlerweile ganz allein nur mit einer Praktikantin in den Agentur-Räumlichkeiten haust. Es gibt wohl noch einen Kunden, der manchmal einen Auftrag hat,  aber ansonsten ist der Chef auf verzweifelter Akquise-Tour. Tragisch, wenngleich es mich auch ein wenig beruhigt. Mein Weltbild kommt dadurch wieder einigermaßen ins Lot. Und in Richtung Trump lässt es auch hoffen, dass die, die ihn jetzt noch gut finden, irgendwann zur Vernunft kommen.

Eine Geschichte hörte ich über den Chef, die besonders bizarr war: Er wurde von einer Kundin auf seinem Handy angerufen, als er gerade in seinem Büro saß und die Gala las.

Nun war es wohl sein dringender Wunsch sich wichtig zu machen und er sagte zu der Kundin, er sei gerade am Flughafen. Fand er wohl irgendwie geil.

Nun passierte aber folgende Peinlichkeit: Die Kundin wollte den Chef 5 Minuten später nochmal erreichen, hatte aber schon wieder vergessen, dass der Typ am Flughafen weilte (angeblich….). Also rief sie im Büro an.  Woraufhin die Praktikantin auch ganz eilfertig meinte, der Chef sei natürlich im Hause. Dann stellte sie die Anruferin durch…

Es entspann sich dann ein wohl ganz interessantes Gespräch, in dem auch der Satz, „Warum lügen Sie mich eigentlich an?“ gefallen sein mag. Der Chef hat dann vermutlich wieder seine berühmten Grimassen geschnitten, die wir damals im Konfi immer so schön nachgeäfft hatten.

Naja. Für DEN Kunden wollte der Chef ohnehin nicht mehr arbeiten, ließ er ein paar Tage später verlauten.

Mehr Geschichten dieser Art gibt es in meinem Buch Public Frustration. Über Leben in der PR bei Amazon als E-Book für 3,99 Euro

 

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3 Kommentare zu „Klatsch und Tratsch: So geht es der Mutter aller Public Frustration Agenturen heute

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