So läuft das Kundenmeeting

Auszug aus meinem Buch – es geht um’s Kundenmeeting:

(….)

Nun kommen die Präsentationen. Daran hatte die Agentur lange gearbeitet, jetzt wird es also richtig ernst.

Die Assistentin knipst den Beamer an und öffnet PowerPoint. Der Geschäftsführer steht auf, stemmt die Arme in die Hüften und beginnt, durch die Folien zu klicken.

Es geht um Messebegleitung, Facebook, Krisen-PR. Die Präsentation hat der Berater gestern noch bis in die späten Abendstunden erstellt und dann seinem Chef gemailt. Der hat sie sich aber erst am Morgen, eine Stunde vor dem Termin, angesehen und dann noch kräftig darin rumgefuhrwerkt. In erster Linie hat er die Präsentation um zahlreiche Versprechungen angereichert. Was wollen wir nicht alles miteinander erreichen! Ein Unternehmen wie Ihres – das muss sich doch auch mal was trauen! Sie müssen doch Leitwolf sein im Markt! Die Leute schauen doch auf Sie!

Gelegentlich stockt Karl-Uwe bei seinem Vortrag, weil er nicht genau weiß, was kommen wird. Dann wendet er sich an seinen Berater und lässt den reden.

Die Kundenvertreter reagieren je nach Tagesform entweder überrascht oder verärgert: Sie wollen in diesen Meetings auf den Stand bei den laufenden Projekten gebracht werden und sehen, was die Agentur dort für ihr Geld tut.

Dass der Agenturchef viel verspricht, wenn der Tag lang ist, haben sie schon häufig genug erlebt.

Und nun müssen sie sich schon wieder neue Sachen anhören und haben dabei das Gefühl, dass die laufenden Projekte vor sich hindämmern.

Heute ist der Pressesprecher des Kunden aber mal ganz gut gelaunt und ärgert sich daher nicht über die neuen Vorschläge. Im Grunde sind die Ideen auch gar nicht so schlecht, er hatte selber schon über so etwas nachgedacht.

Also fragt er nach: Wie genau soll das durchgeführt werden? Welche Projekte dieser Art haben Sie für andere Kunden bereits erfolgreich abgeschlossen? Was hat das für einen zeitlichen Rahmen? Und was soll das eigentlich genau kosten?

Der Pressesprecher fragt auch deswegen so genau nach, weil er in der Nacht schlecht geschlafen hat und nun reichlich müde ist. Er weiß: Die einzige Möglichkeit, jetzt wach zu bleiben ist, wenn er hier ein wenig mitmischt. Die umständlichen Ausführungen des Geschäftsführers mit der ausladenden Gestik und der ans spastische grenzenden Mimik – das hält er nicht aus, wenn er nicht dagegenhält.

Auf diese Fragen reagiert der Agenturchef wie üblich: Mit weiteren Ankündigungen und Versprechungen: Das werde man alles liefern, und zwar kurzfristig. Detaillierte Timings für die Projekte, mit der genauen Kostenaufstellung. „Übrigens toll, dass Sie von unseren Ideen genau so begeistert sind wie wir!“, freut er sich und grimassiert wild.

Dann schaut er den Berater an und sagt: „Nimmst du dir das bitte auf den Zettel?“ Der Berater nickt und macht sich mit ausladender Handbewegung eine Notiz. Dabei weiß er in diesem Moment genau, dass das Wochen auf sich warten lassen wird. Oder auch gar nicht kommt.

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Ein Kommentar zu „So läuft das Kundenmeeting

  1. Ach ja, das erinnert mich an so viele Meetings, ich kann es gar nicht sagen. Besonders diesen Bitchmove des Chefs, immer dann, wenn er nicht weiter weiß, an den Berater zu übergeben, ist mir wohl bekannt.

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