Endlich wieder Sommerfest! – Noch ein Auszug aus meinem Buch „Über Leben in der PR“

Bei meinem ehemaligen Arbeitgeber steht bald wieder das Sommerfest an! Ein guter Anlass für einen kleinen Auszug aus meinem Buch:

 

„Same procedure as every year: Segelausflug mit Cool-PR

Auch bei Cool-PR gab es jedes Jahr im Sommer einen Agenturausflug. Office-Managerin Emma wurde von Agenturchef Boris beauftragt, sich ein Ziel zu überlegen. Emma unterbreitete ihm dann alljährlich einige Ideen. Kegeln, Hochseilgarten, Freizeit-Park. So etwas in der Art. Emma ging es nicht besser, als mir bei Prima-PR: Boris fand alle ihre Ideen schlecht. Und schlug schließlich selbst vor, dass wir doch Segeln gehen könnten. Das wurde dann auch gemacht.

Man muss dazu wissen, dass Boris passionierter Segler ist, der am Wochenenden gern auf dem Wasser unterwegs war. Er stammte aus Schleswig-Holstein und bediente sich gern maritimer Vokabeln, wenn er über die Agentur sprach. Er sah sich als Kapitän und uns als die Mannschaft. Gemeinsam segelten wir hart am Wind oder setzten Segel für die Kunden.

Der Rest der Agentur hatte trotzdem keine Lust, sich aufs Wasser zu begeben. Und so wurden diese Ausflüge immer zu einer ungeliebten Pflichtübung. Nur Boris strahlte über das ganze Gesicht. Er war fest der Meinung, dass er uns auf diese Weise für sein Hobby begeistern könnte. Wenn jemand kein begeistertes Gesicht machte, machte er sich über diesen Miesepeter lustig und meinte, man würde schon noch auf den Geschmack kommen, „warte mal, bis Dir der Wind um die Nase pfeift, dann machst auch du eine anderes Gesicht“.

Da er als PR-Chef über die Gabe der selektiven Wahrnehmung verfügte, merkte er nicht, dass wirklich niemand Spaß an diesen Ausflügen hatte. Vielleicht hätten wir das Segeln an sich sogar ganz gut gefunden. Aber da es Boris so gut gefiel, hatten wir aus Prinzip keine Lust dazu. So viel kindischen Trotz gönnte sich die Belegschaft einfach mal.

Emma hatte irgendwann die Nase voll, kündigte ihren Job bei Cool-PR und Boris bekam eine neue Assistentin. Die stellte es geschickter als Emma an. Sie schlug nämlich alljährlich von sich aus Segeln vor. Die Idee fand Boris auch stets auf Neue phänomenal. Und also geht man bei Cool-PR bis heute jahraus, jahrein Segeln. Lust hatte dazu außer Boris niemand. Aber es wurde allgemein so getan, als sei es ein Riesenspaß. Und natürlich gab es das übliche Foto mit den fröhlichen Gesichtern auf der Facebookseite der Agentur. Obwohl ich schon lange nicht mehr bei der Agentur bin, klicke ich da immer „gefällt mir“.

Weiter geht es in meinem Buch „Public Frustration. Über Leben in der PR“ Als E-Book für nur 3,99 Euro

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