Geschichten aus der PR-Welt: Das Vorstellungsgespräch

Es hat wohl nie jemanden gegeben, der sich besser auf ein Job-Interview vorbereitet hatte als Hugo Bettelbrumm.

Seit zwei Wochen, seitdem er die Einladung zum Gespräch bei der Röhren AG bekommen hatte, inhalierte er Geschichte, Kennzahlen und Personalien dieses Unternehmens.

Noch Nachts um zwei hatte er eingewickelt in eine Wolldecke mit dem iPad auf dem Sofa gesessen und alles über die Röhren AG recherchiert, was das Netz zu bieten hatte.

Er kannte jede Seite des Webauftritts, las Artikel aus Fachmedien. Die Wettbewerber hatte er genau so unter die Lupe genommen, wie die Xing- und LinkedIn Profile der Mitarbeiter. Auf bundesanzeiger.de hatte er sich durch die wirtschaftlichen Kennzahlen gequält, auch wenn er diese kaum verstand.

Er bereitete sich mit seiner Freundin in Rollenspielen auf fiese Fragen vor.

Was ist Ihre größte Schwäche?

„Ihre größte Schwäche, Herr Bettelbrumm?“, fragte Nina mit strengem Gesicht.

„Meine Ungeduld, ich will die Dinge sehr schnell erreichen“, erwiderte Hugo mit einer natürlichen Gelassenheit, die ihn selbst beeindruckte.

„Was würden Sie als Ihre größte Stärke bezeichnen?“, fragte die Freundin weiter.

„Ich lasse mich auch unter Stress nicht aus der Ruhe bringen, bleibe immer cool.“ „Geschichten aus der PR-Welt: Das Vorstellungsgespräch“ weiterlesen

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So läuft das Kundenmeeting

Auszug aus meinem Buch – es geht um’s Kundenmeeting:

(….)

Nun kommen die Präsentationen. Daran hatte die Agentur lange gearbeitet, jetzt wird es also richtig ernst.

Die Assistentin knipst den Beamer an und öffnet PowerPoint. Der Geschäftsführer steht auf, stemmt die Arme in die Hüften und beginnt, durch die Folien zu klicken.

Es geht um Messebegleitung, Facebook, Krisen-PR. Die Präsentation hat der Berater gestern noch bis in die späten Abendstunden erstellt und dann seinem Chef gemailt. Der hat sie sich aber erst am Morgen, eine Stunde vor dem Termin, angesehen und dann noch kräftig darin rumgefuhrwerkt. In erster Linie hat er die Präsentation um zahlreiche Versprechungen angereichert. Was wollen wir nicht alles miteinander erreichen! Ein Unternehmen wie Ihres – das muss sich doch auch mal was trauen! Sie müssen doch Leitwolf sein im Markt! Die Leute schauen doch auf Sie! „So läuft das Kundenmeeting“ weiterlesen

Wie man herausfindet, ob eine PR-Agentur etwas taugt und ob man für sie arbeiten sollte.

Angenommen Du bist gerade auf Jobsuche und siehst die Stellenanzeige einer PR-Agentur. Wovon machst Du abhängig, ob Du dich dort bewirbst? Es gibt da eine sehr aufschlussreiche Webseite – die die wenigsten kennen.

Sicher wirst du dir als erstes die Webseite der Agentur ansehen und dir dann von den Kunden einen Eindruck verschaffen. Dann wirst du dir sicher noch durchlesen, was bei kununu und anderen Bewertungsplattformen über die Agentur geschrieben wird.

Zum Vorstellungsgespräch eingeladen – und dann?

Wenn du zum Vorstellungsgespräch eingeladen wirst, bekommst Du natürlich auch einen sehr guten Eindruck von der Agentur. „Wie man herausfindet, ob eine PR-Agentur etwas taugt und ob man für sie arbeiten sollte.“ weiterlesen

Klatsch und Tratsch: So geht es der Mutter aller Public Frustration Agenturen heute

Die PR Branche mag sich selbst für riesengroß halten. In Wahrheit ist die PR-Welt aber klein und überschaubar.

Was schön ist, weil man sich kennt und sich immer wieder trifft.

Ich habe vor ca. zehn Jahren in einer Agentur gearbeitet, die für mich bis heute die Mutter aller Public-Frustration-Agenturen ist: Eine Agentur von  damals 15 Leuten, bequem in der City gelegen. Hätte nett sein können, wäre da nicht der Chef gewesen, der geregeltes Arbeiten unmöglich machte. Bemerkenswert war aber der sehr gute Teamspirit unter den Angestellten. Wir sind oft nach Feierabend noch in der Agentur geblieben, haben im Konfi Bier getrunken und die Grimassen des Chefs imitiert. „Klatsch und Tratsch: So geht es der Mutter aller Public Frustration Agenturen heute“ weiterlesen

Sean Spicer, neuer Star am Pressesprecherhimmel.

Sean Spicer, Pressesprecher von Donald Trump hat bei seinem Auftritt nach der Vereidigung  gelogen. Angeblich habe die Zeremonie für Trump das größte Publikum der Geschichte gehabt. Was augenscheinlicher Unsinn ist, wenn die TV-Bilder gesehen hat. Macht nix, er hat trotzdem gelogen. Für mich ist das ein guter Anlass, hier ein Kapitel aus meinem Buch Public Frustration  wiederzugegeben.

Es geht in dem Kapitel um die Frage, warum es einige PR-Menschen mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.

Hier kommt das Kapitel, viel Spaß beim Lesen: „Sean Spicer, neuer Star am Pressesprecherhimmel.“ weiterlesen

Nachspiel auf der Autobahn

Ein besonders denkwürdiges Nachspiel, das mir immer in Erinnerung bleiben wird, fand nach Meeting mit diesem Kunden statt, auf dem Herr Moser wie oben beschrieben Boris und mich zusammengefaltet hatte.

Diese Standpauke schwebte über uns, als wir uns nach dem Meeting ins Auto setzten. Boris am Steuer, ich auf dem Beifahrersitz, Assistentin Tanja hinten. Wir hatten dieses elendige Meeting endlich hinter uns gebracht und waren glimpflich mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen.

Boris lockerte sich die Krawatte und schaute mich an. Er verzog dabei sein Gesicht, wie ein 12-Jähriger, der gerade eine Abreibung vom Lehrer bekommen hatte, dem es aber wenigstens erspart blieb, dass auch die Eltern eingeschaltet werden.

Selbstachtung weg, aber immerhin einen Vertrag in der Tasche

In seinem Blick lagen Schuldbewusstsein und gleichzeitig Erleichterung, dass der Vertrag verlängert werden würde. Was machte es schon, dass Boris dafür seine Selbstachtung hergeben musste. Es kam auf den Vertrag an, auf sonst nichts. „Nachspiel auf der Autobahn“ weiterlesen

Typische Typen in der PR, Teil 3:Tanja Bäumler, Junior-Beraterin.

Das Leben ist großartig! Das war Tanjas feste Überzeugung, als sie in Hildesheim Kulturwissenschaften studierte. WG-Leben, spontane Küchen-Parties, Film für die Abschlussarbeit drehen. Die erste eigene Webseite für einen Klamottentauschzirkel erstellt, bei PETA aktiv gewesen und Impro-Theater-Abende organisiert. Tolle Freunde und einen tollen Freund. Das passte alles zu ihr, das war ganz sie selbst. Sie dachte, dass es immer so weiter geht.

 

Heute, fünf Jahre später, ist wenig von ihrer Begeisterung fürs Leben übrig. Tanja arbeitet in Berlin Mitte in einer großen PR-Agentur. Berlin! Das fand sie so geil, als sie damals umzog. Natürlich wollte sie nach dem Studium raus aus Hildesheim, rein in eine große Stadt. Aber dass es dann gleich in Berlin geklappt hat, das war einfach nur cool.

 

Der Chef der Agentur hatte das Vorstellungsgespräch an einem Sonntag mit ihr geführt. Sie fühlte sich davon irgendwie geschmeichelt. Es ging ja nur um ein Volontariat und trotzdem nimmt sich der Chef (!) am Sonntag (!!) Zeit dafür! Das musste jetzt wohl das Business Leben sein. 24/7, der Puls der Großstadt. Was ihr gut passte, denn schließlich hatte sie vorher am Wochenende auch nicht die Beine hochgelegt, sondern war immer unterwegs.

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