„Wie“ oder „Was“: 1x falsch getwittert und alle halten mich für bescheuert.

Oje, da habe ich mir aber was erlaubt! Einmal unbedacht getwittert – und schon gibt es auf die Finger. Von allen Seiten. Von höchster Stelle.

Aber der Reihe nach.

Am Freitagmittag setzte ich folgenden Tweet ab:

„PR-ler sind für das „Wie“ der Kommunikation zuständig. Nicht aber für das „Was“

Ich fand und finde diese Aussage auf eine schlichte Art trivial: Als PR-Mensch steht man vor gewissen Fakten und über diese redet man. WIE man über diese Fakten redet, das muss man selbst entscheiden. Man schafft diese Fakten aber nicht selbst. Beispiel: Bin ich für einen Gummibärchenhersteller tätig und dieser produziert neuerdings blaue Bärchen, so kann ich mir überlegen, WIE ich über diese blauen Bärchen kommuniziere. Es ist aber nicht Job des Kommunikators, sich darüber Gedanken zu machen, welche Farbe die Bärchen haben sollen (das wäre das WAS). Mithin ist man als PR’ler eher Linguist als Ontologe.

Ich dachte, dass meinem belanglosen Satz kaum widersprochen werden kann

Während der Konstruktion dieses Tweets schwirrte in meinem Hinterkopf noch Punkt 12 von Eric Posners Anti-Twitter-Manifest herum,  welcher da lautet „Aus diesem Grund ist der effektivste Tweet eine schlaue Formulierung eines Standpunktes, der ohnehin schon von der Mehrheit vertreten wird.“ Ich dachte tatsächlich, dass meinem belanglosen Satz kaum widersprochen werden kann.

Ich hatte den Tweet kaum abgesetzt, schon regte sich energischer Widerspruch. NATÜRLICH hätten PR’ler ein Einfluss auf das WAS, wurde mir entgegnet.

Ich dachte noch einmal kurz nach und fand dann: Stimmt auch wieder. Natürlich bestimmt man insoweit über das WAS, als dass man die Themen selbst wählt. Sonst gäbe es ja kein Content Marketing.  „„Wie“ oder „Was“: 1x falsch getwittert und alle halten mich für bescheuert.“ weiterlesen

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Das Hinterhertelefonieren stirbt nicht aus

Auszug aus meinem Buch

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(….) Oft sind die vermeintlichen „PR-Profis“ auch damit beschäftigt, ihren Pressemitteilungen hinterher zu telefonieren. Dieses „Hinterhertelefonieren“ scheint als Praxis der PR einfach nicht auszusterben. Noch immer ist es Usus, dass eine verhältnismäßig belanglose Meldung an einen Verteiler von 300 Adressen verschickt wird.

Meist geht es in der Meldung um ein neues Produkt, für das man normalerweise eine Anzeige schalten müsste. Aber viele Unternehmen denken sich wohl: Wir versuchen das erst mal über unsere PR-Agentur. Das kostet weniger, als Werbung.

Zwei Wochen, nachdem die Meldung verschickt wurde, wird in der Agentur ein Praktikant oder Volontär darauf angesetzt, der Meldung „nachzufassen“.

Das heißt, er oder sie telefoniert die gesamte Adressliste ab um zu fragen:

„Ich habe Ihnen vergangene Woche eine Pressemeldung gemailt; haben Sie diese bekommen?“

Natürlich sind Journalisten von solchen Anrufen nur genervt. Das sagt einem zum einen der gesunde Menschenverstand, zum anderen kann man es aber auch in dem Buch Erfolgreich Kommunizieren. Interviews mit Journalisten nachlesen. Das Buch versammelt 17 Interviews mit Journalisten, in denen es um die Zusammenarbeit mit PR-Agenturen geht.

Keiner der Journalisten sagt, dass in Agenturen professionell gearbeitet würde und er gern mit ihnen kooperiert. Aber viele der interviewten Journalisten beklagen die sinnlosen Anrufe aus Agenturen, in denen gefragt wird, ob eine Mail angekommen sei.

Ein Freund von mir, der früher bei der dpa arbeitete, erzählte mir, dass auch er solchen Anrufen ausgesetzt sei. Er pflegte dann immer zu sagen: „Wenn Sie die Mail richtig adressiert haben, ist sie auch angekommen. War dann aber wohl nicht interessant.“

Mit Professionalität hat dieses täglich eingesetzte PR-Instrument des „Nachfassens“ nicht das Geringste zu tun. Das ist zum einen ein Indiz dafür, dass PR‘ler die Arbeitsweise von Journalisten häufig eben nicht kennen. Vielleicht kennen sie sie aber doch und das Hinterhertelefonieren ist einfach Ausdruck der Verzweiflung: Da hat man mühsam eine Pressemeldung über die neue Rhabarber-Limonen-Brause erstellt, abgestimmt und verschickt. Und dann hat keiner über das Produkt berichtet. Was kann da schief gelaufen sein? Besser mal anrufen, denken sich die Agenturmenschen dann. „Das Hinterhertelefonieren stirbt nicht aus“ weiterlesen

Volker Beck und was man von ihm über Krisen-PR lernen kann

Im aktuellen SZ-Magazin gibt es ein sehr lesenswertes Stück über Volker Beck und die Folgen seines Crystal-Meth-Vorfalls. Ergebnis, ein Jahr danach: Es hat ihm politisch nicht geschadet, weil er genau richtig damit umgegangen ist.

„Es ist ein Phänomen der politischen Krisen-PR, dass sich die Dinge am schnellsten beruhigen, wenn man sich nicht rührt, bis sich die Empörung gelegt hat – und sich dann uneingeschränkt entschuldigt, ohne aber auszuführen, wofür eigentlich“

 

„Volker Beck und was man von ihm über Krisen-PR lernen kann“ weiterlesen

Eine kleine autobiografische Notiz zu Kundenmeetings

Aus dem Kapitel zu Kundenmeetings aus meinem Buch Public Frustration (welches in Kürze als E-Book erscheinen wird):

…. An dieser Stelle eine kleine autobiografische Notiz zu Kundenmeetings und der von den Chefs dabei gern verbreiteten Aufbruchsstimmung:

Ich selbst wurde mehrfach als „der neue starke Mann“ präsentiert. Dreimal fing ich einen neuen Job in einer Agentur an. Und jedes Mal wurde gegenüber den verschiedenen Kunden der Agentur gegenüber große Aufbruchsstimmung verbreitet: „Herr Janssen ist da, endlich geht’s los!“ Diese Scharade war natürlich schon mit allen meinen Vorgängern aufgeführt worden. Die Kunden nahmen es stoisch hin. „Eine kleine autobiografische Notiz zu Kundenmeetings“ weiterlesen

Eine schwere Geburt: Wie eine Pressemeldung entsteht

Journalisten ärgern sich oft darüber, dass sie zu viele schlechte Pressemeldungen zugemailt bekommen. Dabei steckt doch so viel Arbeit in den Meldungen. Schauen wir also mal, wie eine Pressemeldung entsteht.

Nehmen wir eine so genannte Produktmeldung, in der ein neues oder verändertes Produkt vorgestellt wird. Solche Produktmeldungen machen einen Großteil der Pressemeldungen aus – da geht es dann um ein neues Waschmittel, um eine neue Software oder um eine neue Schokolade.

Nehmen wir konkret an, die LeckerSchmecker AG bringt eine neue Schokoladensorte auf den Markt. Genau genommen handelt es sich um keine neue Sorte, sondern um eine bereits etabliert Nuss-Schokolade, deren Verkauf in letzter Zeit aber schwächelt. Also wird die Rezeptur ein wenig verändert: Genau genommen werden größere Nüsse als bisher verwendet und auf der Verpackung steht „verbesserte Rezeptur“.

Dann wird die Werbeagentur beauftragt, die neue Schokolade in die laufende Kampagne einzubinden. Für den Vertrieb werden Sales Folder erstellt, für den Handel Aufsteller vorbereitet.

Irgendwie und irgendwann entlang des Weges – niemand weiß so recht, durch welchen Zufall – landet die Geschichte von den größeren Nüssen auch in der Presseabteilung der LeckerSchmecker AG. Die blonde Referentin, nennen wir sie Annika, beschwert sich, dass sie „mal wieder zuletzt davon erfährt“ und jetzt „soll natürlich wieder alles am liebsten bis gestern fertig sein“. „Eine schwere Geburt: Wie eine Pressemeldung entsteht“ weiterlesen