Und noch ein Auszug aus meinem Buch „Public Frustration. Über Leben in der PR.“

(….) Viele PR-Menschen mögen sich selbst für „kreativ“, „crisp“ und „edgy“ halten. Das ist das Vokabular, das man sich selbst gern um den Hals hängt. Aber diese Worte sind natürlich bei den Werbern geklaut und haben wenig mit der Realität im Büro einer beliebigen PR-Agentur zu tun. Es sind Normalos, die dort arbeiten.

Die Attraktivität der PR hängt wohl damit zusammen, dass „was mit Medien“ schon immer einen enormen Appeal für Berufseinsteiger hatte. Wer vor 10, 20 Jahren in die Medienbranche wollte, ging entweder in die Werbung oder zu einer Zeitung. Doch heute liegen die Zeitungsverlagen derart am Boden, dass es für angehende Journalisten praktisch unmöglich geworden ist, eine feste Stelle zu akzeptablen Bedingungen zu finden. Das sieht man besonders deutlich in den USA: Dort arbeiten laut einer Studie heute fünfmal so viele Menschen in der PR wie im Journalismus (Quelle: Meedia, 20. August). „Und noch ein Auszug aus meinem Buch „Public Frustration. Über Leben in der PR.““ weiterlesen

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Auszug aus meinem Buch „Public Frustration – Über Leben in der PR“

Reklame, Werbung und PR. Und was das alles mit Männern und Frauen zu tun hat.

Es gibt einen schönen Spruch über den Unterschied von Reklame, Werbung und PR:

 

Wenn ein junger Mann ein Mädchen kennenlernt und ihr erzählt,

was für ein großartiger Kerl er ist, so ist das Reklame.

 

Wenn er ihr sagt, wie reizend sie aussieht, so ist das Werbung.

 

Wenn sie sich aber für ihn entscheidet, weil sie von anderen gehört

hat, er sei ein feiner Kerl, so ist das PR.

 

Ich hörte den Spruch zum ersten Mal vor rund 15 Jahren. Klingt cool, dachte ich damals. Ich Student, schlief lange und rauchte zum Frühstück Gauloises Blondes.

Über die PR-Branche hatte ich mir keine Gedanken gemacht. Schon gar nicht hätte ich mir träumen lassen, einmal selbst in der PR zu arbeiten. Aber den Spruch fand ich witzig. Ohne viel über die Branche zu wissen, hielt ich PR fortan für die intelligentere Form der Werbung. Gewissermaßen die nächste Stufe der Evolution.

Mittlerweile habe ich viele Berufsjahre in der PR hinter mir. Den Spruch mit dem jungen Mann und der jungen Dame habe ich hunderte von Malen gehört und gelesen. Meist von PR’lern.

Der Spruch ist überraschend, humorvoll und steckt voller Lebensweisheit. Denn natürlich sind diese „Mein Haus, mein Auto, meine Yacht-Typen“ zum Fremdschämen. Wissen wir nicht alle, dass es schlauer ist, der Frau zu sagen, dass sie schöne Augen hat? Und wissen wir nicht auch, dass man erst dann so richtig interessant wird, wenn die anderen über einen reden?

Und obwohl der Spruch witzig ist, ist er doch leider vollkommen falsch. Mit der Wirklichkeit der PR, der täglichen Arbeit in Agenturen, hat er nichts zu tun. PR als die intelligentere Werbung – das mag vielleicht in der grauen Theorie eines Lehrbuchs stimmen. Und es überrascht nicht, dass PR‘lern dieser Gedanke gefällt und sie ihn gern weitererzählen. Google den Spruch einfach mal und Du wirst ein Dutzend PR-Agenturen finden, die das Zitat auf ihrer Webseite haben. „Auszug aus meinem Buch „Public Frustration – Über Leben in der PR““ weiterlesen

Eine schwere Geburt: Wie eine Pressemeldung entsteht

Journalisten ärgern sich oft darüber, dass sie zu viele schlechte Pressemeldungen zugemailt bekommen. Dabei steckt doch so viel Arbeit in den Meldungen. Schauen wir also mal, wie eine Pressemeldung entsteht.

Nehmen wir eine so genannte Produktmeldung, in der ein neues oder verändertes Produkt vorgestellt wird. Solche Produktmeldungen machen einen Großteil der Pressemeldungen aus – da geht es dann um ein neues Waschmittel, um eine neue Software oder um eine neue Schokolade.

Nehmen wir konkret an, die LeckerSchmecker AG bringt eine neue Schokoladensorte auf den Markt. Genau genommen handelt es sich um keine neue Sorte, sondern um eine bereits etabliert Nuss-Schokolade, deren Verkauf in letzter Zeit aber schwächelt. Also wird die Rezeptur ein wenig verändert: Genau genommen werden größere Nüsse als bisher verwendet und auf der Verpackung steht „verbesserte Rezeptur“.

Dann wird die Werbeagentur beauftragt, die neue Schokolade in die laufende Kampagne einzubinden. Für den Vertrieb werden Sales Folder erstellt, für den Handel Aufsteller vorbereitet.

Irgendwie und irgendwann entlang des Weges – niemand weiß so recht, durch welchen Zufall – landet die Geschichte von den größeren Nüssen auch in der Presseabteilung der LeckerSchmecker AG. Die blonde Referentin, nennen wir sie Annika, beschwert sich, dass sie „mal wieder zuletzt davon erfährt“ und jetzt „soll natürlich wieder alles am liebsten bis gestern fertig sein“. „Eine schwere Geburt: Wie eine Pressemeldung entsteht“ weiterlesen