Geschichten aus der PR-Welt: Das Vorstellungsgespräch

Es hat wohl nie jemanden gegeben, der sich besser auf ein Job-Interview vorbereitet hatte als Hugo Bettelbrumm.

Seit zwei Wochen, seitdem er die Einladung zum Gespräch bei der Röhren AG bekommen hatte, inhalierte er Geschichte, Kennzahlen und Personalien dieses Unternehmens.

Noch Nachts um zwei hatte er eingewickelt in eine Wolldecke mit dem iPad auf dem Sofa gesessen und alles über die Röhren AG recherchiert, was das Netz zu bieten hatte.

Er kannte jede Seite des Webauftritts, las Artikel aus Fachmedien. Die Wettbewerber hatte er genau so unter die Lupe genommen, wie die Xing- und LinkedIn Profile der Mitarbeiter. Auf bundesanzeiger.de hatte er sich durch die wirtschaftlichen Kennzahlen gequält, auch wenn er diese kaum verstand.

Er bereitete sich mit seiner Freundin in Rollenspielen auf fiese Fragen vor.

Was ist Ihre größte Schwäche?

„Ihre größte Schwäche, Herr Bettelbrumm?“, fragte Nina mit strengem Gesicht.

„Meine Ungeduld, ich will die Dinge sehr schnell erreichen“, erwiderte Hugo mit einer natürlichen Gelassenheit, die ihn selbst beeindruckte.

„Was würden Sie als Ihre größte Stärke bezeichnen?“, fragte die Freundin weiter.

„Ich lasse mich auch unter Stress nicht aus der Ruhe bringen, bleibe immer cool.“ „Geschichten aus der PR-Welt: Das Vorstellungsgespräch“ weiterlesen

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Und noch ein Auszug aus meinem Buch „Public Frustration. Über Leben in der PR.“

(….) Viele PR-Menschen mögen sich selbst für „kreativ“, „crisp“ und „edgy“ halten. Das ist das Vokabular, das man sich selbst gern um den Hals hängt. Aber diese Worte sind natürlich bei den Werbern geklaut und haben wenig mit der Realität im Büro einer beliebigen PR-Agentur zu tun. Es sind Normalos, die dort arbeiten.

Die Attraktivität der PR hängt wohl damit zusammen, dass „was mit Medien“ schon immer einen enormen Appeal für Berufseinsteiger hatte. Wer vor 10, 20 Jahren in die Medienbranche wollte, ging entweder in die Werbung oder zu einer Zeitung. Doch heute liegen die Zeitungsverlagen derart am Boden, dass es für angehende Journalisten praktisch unmöglich geworden ist, eine feste Stelle zu akzeptablen Bedingungen zu finden. Das sieht man besonders deutlich in den USA: Dort arbeiten laut einer Studie heute fünfmal so viele Menschen in der PR wie im Journalismus (Quelle: Meedia, 20. August). „Und noch ein Auszug aus meinem Buch „Public Frustration. Über Leben in der PR.““ weiterlesen

Auszug aus meinem Buch „Public Frustration – Über Leben in der PR“

Reklame, Werbung und PR. Und was das alles mit Männern und Frauen zu tun hat.

Es gibt einen schönen Spruch über den Unterschied von Reklame, Werbung und PR:

 

Wenn ein junger Mann ein Mädchen kennenlernt und ihr erzählt,

was für ein großartiger Kerl er ist, so ist das Reklame.

 

Wenn er ihr sagt, wie reizend sie aussieht, so ist das Werbung.

 

Wenn sie sich aber für ihn entscheidet, weil sie von anderen gehört

hat, er sei ein feiner Kerl, so ist das PR.

 

Ich hörte den Spruch zum ersten Mal vor rund 15 Jahren. Klingt cool, dachte ich damals. Ich Student, schlief lange und rauchte zum Frühstück Gauloises Blondes.

Über die PR-Branche hatte ich mir keine Gedanken gemacht. Schon gar nicht hätte ich mir träumen lassen, einmal selbst in der PR zu arbeiten. Aber den Spruch fand ich witzig. Ohne viel über die Branche zu wissen, hielt ich PR fortan für die intelligentere Form der Werbung. Gewissermaßen die nächste Stufe der Evolution.

Mittlerweile habe ich viele Berufsjahre in der PR hinter mir. Den Spruch mit dem jungen Mann und der jungen Dame habe ich hunderte von Malen gehört und gelesen. Meist von PR’lern.

Der Spruch ist überraschend, humorvoll und steckt voller Lebensweisheit. Denn natürlich sind diese „Mein Haus, mein Auto, meine Yacht-Typen“ zum Fremdschämen. Wissen wir nicht alle, dass es schlauer ist, der Frau zu sagen, dass sie schöne Augen hat? Und wissen wir nicht auch, dass man erst dann so richtig interessant wird, wenn die anderen über einen reden?

Und obwohl der Spruch witzig ist, ist er doch leider vollkommen falsch. Mit der Wirklichkeit der PR, der täglichen Arbeit in Agenturen, hat er nichts zu tun. PR als die intelligentere Werbung – das mag vielleicht in der grauen Theorie eines Lehrbuchs stimmen. Und es überrascht nicht, dass PR‘lern dieser Gedanke gefällt und sie ihn gern weitererzählen. Google den Spruch einfach mal und Du wirst ein Dutzend PR-Agenturen finden, die das Zitat auf ihrer Webseite haben. „Auszug aus meinem Buch „Public Frustration – Über Leben in der PR““ weiterlesen

Der Weihnachtsfeier zweiter Teil

Und so geht es weiter mit der Weihnachtsfeier. Falls Du den ersten Teil nicht kennst, hier ist er.

Da kommt schon der Bus vorgefahren, alle steigen ein, und es geht nach ….. Ja, wirklich, es geht nach …..!

…… ist einer der Stadtteile Münchens, der sich bislang erfolgreich allen Gentrifizierungs-Bemühungen widersetzt hat. Keiner der PR-Leute kann sich erinnern schon mal dort gewesen zu sein.

Karl-Uwe steht vorne im Bus, hat ein Mikro in der Hand und sagt von einem Ohr bis zum anderen grinsend: „Keine Angst, Ihr müsst in XXXXX nicht durch die Straßen gehen und wir wollen dort auch nicht übernachten. Stattdessen gehen wir dort in ein Tonstudio und nehmen einen richtig geilen Song auf!“ „Der Weihnachtsfeier zweiter Teil“ weiterlesen

Das Hinterhertelefonieren stirbt nicht aus

Auszug aus meinem Buch

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(….) Oft sind die vermeintlichen „PR-Profis“ auch damit beschäftigt, ihren Pressemitteilungen hinterher zu telefonieren. Dieses „Hinterhertelefonieren“ scheint als Praxis der PR einfach nicht auszusterben. Noch immer ist es Usus, dass eine verhältnismäßig belanglose Meldung an einen Verteiler von 300 Adressen verschickt wird.

Meist geht es in der Meldung um ein neues Produkt, für das man normalerweise eine Anzeige schalten müsste. Aber viele Unternehmen denken sich wohl: Wir versuchen das erst mal über unsere PR-Agentur. Das kostet weniger, als Werbung.

Zwei Wochen, nachdem die Meldung verschickt wurde, wird in der Agentur ein Praktikant oder Volontär darauf angesetzt, der Meldung „nachzufassen“.

Das heißt, er oder sie telefoniert die gesamte Adressliste ab um zu fragen:

„Ich habe Ihnen vergangene Woche eine Pressemeldung gemailt; haben Sie diese bekommen?“

Natürlich sind Journalisten von solchen Anrufen nur genervt. Das sagt einem zum einen der gesunde Menschenverstand, zum anderen kann man es aber auch in dem Buch Erfolgreich Kommunizieren. Interviews mit Journalisten nachlesen. Das Buch versammelt 17 Interviews mit Journalisten, in denen es um die Zusammenarbeit mit PR-Agenturen geht.

Keiner der Journalisten sagt, dass in Agenturen professionell gearbeitet würde und er gern mit ihnen kooperiert. Aber viele der interviewten Journalisten beklagen die sinnlosen Anrufe aus Agenturen, in denen gefragt wird, ob eine Mail angekommen sei.

Ein Freund von mir, der früher bei der dpa arbeitete, erzählte mir, dass auch er solchen Anrufen ausgesetzt sei. Er pflegte dann immer zu sagen: „Wenn Sie die Mail richtig adressiert haben, ist sie auch angekommen. War dann aber wohl nicht interessant.“

Mit Professionalität hat dieses täglich eingesetzte PR-Instrument des „Nachfassens“ nicht das Geringste zu tun. Das ist zum einen ein Indiz dafür, dass PR‘ler die Arbeitsweise von Journalisten häufig eben nicht kennen. Vielleicht kennen sie sie aber doch und das Hinterhertelefonieren ist einfach Ausdruck der Verzweiflung: Da hat man mühsam eine Pressemeldung über die neue Rhabarber-Limonen-Brause erstellt, abgestimmt und verschickt. Und dann hat keiner über das Produkt berichtet. Was kann da schief gelaufen sein? Besser mal anrufen, denken sich die Agenturmenschen dann. „Das Hinterhertelefonieren stirbt nicht aus“ weiterlesen

Typische Typen der PR-Branche: Albert Jahn, Kommunikationschef im Unternehmen

Albert Jahn ist Leiter der Unternehmenskommunikation bei einem mittelständischen Unternehmen in Baden-Württemberg. Das Unternehmen ist Zulieferer für die Automobilindustrie und zwar ein sehr erfolgreicher.

Bei den meisten Unternehmen hätte Jahn auf seiner Visitenkarte eine englische Jobbezeichnung – „Head of Communications and Brand“ zum Beispiel. Aber in diesem Unternehmen ist man bodenständig und verweigert sich albernen englischen Berufsbezeichnungen. Eine Sekretärin ist hier noch einen Sekretärin und keine „Office-Managerin“. Der Geschäftsführer ist ein Geschäftsführer und kein „CEO“. Und Herr Jahn ist eben „Leiter der Unternehmenskommunikation“.

Herr Jahn legt Wert darauf, dass er nicht lediglich Pressesprecher ist – die Kollegen nennen ihn leider immer wieder so. Dabei hat er viel mehr Aufgaben, als nur die Presse zu betreuen. Zum Glück, denn Journalisten haben ohnehin kaum Interesse an dem Unternehmen.

Er leitet ein Team von vier Mitarbeitern und zusammen verantworten sie – neben der Pressearbeit – den Geschäftsbericht, das Kundenmagazin, das Internet, die interne Kommunikation und die allermeisten Drucksachen. Natürlich haben sie für all diese Aufgaben Agenturen, so dass die Aufgabe von Herrn Jahn vor allem im „Managen“ und in der „Qualitätssicherung“ liegt.

Herr Jahn hält sich selbst für einen recht ordentlichen Manager. Er hat viele Bücher zum Thema Führung und Unternehmensorganisation gelesen. Er will ein Leader sein und nicht einfach nur Aufgaben delegieren. Er arbeitet sehr strukturiert, wobei er immer noch überlegt, wie er noch effizienter arbeiten kann.

Früher hat er selbst viele PR-Texte geschrieben. Aber als er sich auf der Karriereleiter nach oben arbeitete, wurde ihm klar, dass hübsche Texte keine Lorbeeren bringen. Auf dem oberen Level ist schnelles Entscheiden gefragt und das Erfüllen von Zielvereinbarungen. Die Mitarbeiter müssen an die kurze Leine gelegt werden.

Texte lässt er jetzt andere Schreiben. Er hat aber einen genauen Blick dafür, wenn ihm jemand lieblos heruntergetipptes Zeilenfutter unterjubeln will. Er verlangt gut recherchierte und angenehm zu lesende Texte. Natürlich durften die Texte nicht kritisch sein, nicht einmal im Ansatz. Er pflegte zu sagen „Die Presse versucht zu polarisieren; wir dagegen wollen integrieren.“ Das fand er schlau.

In seiner Abteilung ist Jahn der Boss, darauf legt er Wert. Er weiß, dass er nicht beliebt ist. Weder bei seiner Sekretärin Frau Kimmich, noch bei seiner Stellvertreterin Frau Geisler. Der Onlineredakteur der Abteilung verachtet ihn, weil Jahn keine Ahnung von Content Management Systemen oder von User Experience hat, aber trotzdem immer reinquatscht, wenn es um den Webseitenaufbau geht. Auch der Volontär meint, er könne es alles besser. Aber das ist Albert Jahn betont egal. Er will nicht gemocht werden. Er will Respekt. Und zwar für sein entschlossenes Auftreten und seine professionelle Arbeit.

Niemand in der Abteilung würde offen gegen Jahn rebellieren. Man begnügt sich mit Lästereien. Das reicht, um Dampf abzulassen. Denn sie wissen, dass es ihnen hier allen gut geht. Man macht pünktlich Feierabend, das ausführliche Zeitunglesen am Morgen gehört zum Job. Außerdem kommen Einladungen für Medien-Events in Stuttgart, zu denen alle gern gehen, um die Gratisdrinks in sich hineinzugießen – sofern der Chef sein Kommen nicht ebenfalls angekündigt hat.

Weiter geht es in meinem E-Book „Public Frustration“ für 3,99

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So läuft das Kundenmeeting

Auszug aus meinem Buch – es geht um’s Kundenmeeting:

(….)

Nun kommen die Präsentationen. Daran hatte die Agentur lange gearbeitet, jetzt wird es also richtig ernst.

Die Assistentin knipst den Beamer an und öffnet PowerPoint. Der Geschäftsführer steht auf, stemmt die Arme in die Hüften und beginnt, durch die Folien zu klicken.

Es geht um Messebegleitung, Facebook, Krisen-PR. Die Präsentation hat der Berater gestern noch bis in die späten Abendstunden erstellt und dann seinem Chef gemailt. Der hat sie sich aber erst am Morgen, eine Stunde vor dem Termin, angesehen und dann noch kräftig darin rumgefuhrwerkt. In erster Linie hat er die Präsentation um zahlreiche Versprechungen angereichert. Was wollen wir nicht alles miteinander erreichen! Ein Unternehmen wie Ihres – das muss sich doch auch mal was trauen! Sie müssen doch Leitwolf sein im Markt! Die Leute schauen doch auf Sie! „So läuft das Kundenmeeting“ weiterlesen